Kanaille #6

„Apocalypse now!“ scheint das Leitmotiv einer Epoche zu werden, die sich materiell auf Umstrukturierungen von gigantischem Ausmaß zubewegt. Die klammheimliche Lust am Weltuntergang wird zur metropolenspezifischen Reaktion auf eine neue Ära voller unerträglicher Widersprüche, die nur Vorboten jener Umwälzungen sind. Schon einmal − während der 20er Jahre − erwies sich, was als „Untergang des Abendlandes“ interpretiert und erlebt wurde, als globale Krise der Kapitalakkumulation, die bekanntlich nicht das Ende der Welt, wohl aber einen weiteren Abschnitt kapitalistischer Entwicklung einleitete, an deren Ausgangspunkt Faschismus und ein verheerender Krieg standen. „Kanaille #6“ weiterlesen

Muss die Krise zur Katastrophe werden?


Krise, was ist das eigentlich? Sie ist Höhepunkt und manchmal auch Wendepunkt einer kritischen Situation, Krankheit oder eines Konflikts. Sie erhöht den Zeitdruck und die Unsicherheit. Sie bringt ein Gefühl der Bedrohung mit sich. Die Krise ist bereits da. Sie besteht in der Tatsache, dass das Alte stirbt und das Neue nicht zur Welt kommen kann. In der Krise haben wir die Möglichkeit Konflikte zu lösen oder auch zu verschärfen. Die Krise bleibt bestehen, so lange an der alten Ordnung festgehalten wird, so lange der Mut fehlt, sich auf etwas Neues einzulassen. Wenn kein neuer Weg gefunden wird, wird die Krise zur Katastrophe. „Muss die Krise zur Katastrophe werden?“ weiterlesen

Die Krise aller Krisen

Energieknappheit und das Ende unserer Zivilisation

Die Energiefrage ist die wesentliche Frage, um unsere technologisch-industrialisierte Welt am Laufen zu halten. Die Menschheit braucht mehr denn je in jeglicher Form Energie, sei es Nahrung oder Strom. Der Fortbestand der menschlichen Spezies, bzw. des anthropozänen Zeitalters wird durch die Aufrechterhaltung und den Ausbau der Energierquellen entschieden. Daher ist es einleuchtend, wenn nahezu alle Regierungen auf der Welt um die eigene Energieversorgung kämpfen, mit Diplomatie oder Waffen. Der schier unendliche Bedarf nach Energie könnte aber auch das Ende unseres Zeitalters einläuten, besonders, wenn der technologische Fortschritt die steigende Nachfrage an Energie nicht befriedigen kann. Kriegerische Konflikte um Ressourcen und Macht verschärfen die weltweite Energie-Instabilität. Die klimatischen Veränderungen sind in dem Kontext symptomatisch für die strukturelle Lebensfeindlichkeit der techno-industriellen Welt. Unsere Zivilisation wird sich früher oder später drastisch verändern…Die Frage ist, wer diese Veränderung überleben wird und ob die Menschen aus ihren Fehlern lernt oder das Unnötige einfach blindlings wieder aufbauen wird. Der ewige Kreislauf einer Schlange die sich in den Schwanz beißt, muss das so sein? „Die Krise aller Krisen“ weiterlesen

Weder Rechts noch Links – wir wählen die Revolte

Das Ende der Geschichte

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion glaubten einige Politikwissenschaftler*innen, dass nun das „Ende der Geschichte“ besiegelt wäre. Der Kapitalismus habe durch seinen Sieg über den Ostblock, die Globalisierung der Märkte und seiner fortschreitenden Ausdehnung in die letzten Winkel des Planeten seine Überlegenheit unter Beweis gestellt und der Liberalismus in Form von Demokratie und freier Marktwirtschaft sich als die erfolgreichste und gerechteste Form einer Gesellschaftsordnung erwiesen. Eine solche These schien für Viele in unseren Breitengrade durchaus plausibel. Gerade der westlichen Mittelschicht, die in der Welt der Waren das persönliche Glück zu finden glaubte und als stumpfe Konsument*innen begeistert dem Spektakel huldigte, lag nichts ferner, als das Bestehende in Frage zu stellen. Eine Position, der natürlich auch damals schon eine beeindruckende Ignoranz gegenüber den Schattenseiten dieses Systems beiwohnte. Denn die soziale Absicherung und Unbekümmertheit der Einen, hat schon immer am anderen Ende seinen Tribut gefordert. „Weder Rechts noch Links – wir wählen die Revolte“ weiterlesen

Müntzer und der neuzeitliche grüne koloniale Ablasshandel

Nun ist es soweit, ich fühle mich zurückgeworfen in Zeiten der Inquisition und ihren Erfindungen der Ablassbriefe. Mit ihnen war es ab den 14. Jahrhundert möglich, nach einer begangenen Sünde durch den Erwerb dieser teuren Kirchenbriefe Gottes Gnade zu erlangen. Die Kirchenoberhäupter waren, damals so wie heute, nicht wirklich an einen Lebenswandel ihrer Schäfchen interessiert, denn der teure Verkauf dieser Ablassbriefe oder Sündenerlasse ließ die Kassen der Kirche überschwemmen und ihre Priester im Luxus suhlen. Hier will ich am Beispiel des neuen CO2 Emmissionshandels und Kompensationshandels die Klimasündigen und die Klimasuhlenden outen und mich auf die Suche nach den „Martin Luther*n“ und „Thomas Müntzer*n“ der heutigen Welt machen. „Müntzer und der neuzeitliche grüne koloniale Ablasshandel“ weiterlesen

Desertec 3.0 – grüner Wasserstoff in kolonialer Tradition

Die Krisen, mit denen wir uns aktuell konfrontiert sehen, sind die logische Konsequenz eines Systems, das auf Wachstum basiert. Die Politik gibt zwar vor, die Ursachen davon bekämpfen zu wollen, doch tatsächlich verwaltet sie diese bloß und sorgt durch das Beschleunigen von Modernisierungsprozessen in der Wirtschaft dafür, dass gesellschaftliche Umbrüche nicht die Stabilität der bestehenden Machtverhältnisse gefährden. Nichts zeigt dies deutlicher als Maßnahmen, welche zur Abwehr der Klimakatastrophe propagiert werden.

Dabei bleibt nicht nur die Logik des permanenten Wachstums unangetastet, sondern werden auch globale Machtasymmetrien und Abhängigkeiten zwischen der Nord- und Südhalbkugel durch neokoloniale Großprojekte mit grünem Anstrich weiter zementiert und ausgebaut. Beispielhaft dafür ist Desertec 3.0, bei dem Deutschland eine Vorreiterrolle spielt. „Desertec 3.0 – grüner Wasserstoff in kolonialer Tradition“ weiterlesen

Alles Prepper oder was?

Ganz ehrlich, wenn wir Raum schaffen wollen, um wirklich etwas an diesem ausbeuterischen System zu verändern, werden zumindest Teile davon zerstört werden müssen. Und die Panikmache von Politik und Medien ist Teil des Überlebenskampfs dieses längst überfälligen Systems. Es geht hier nicht darum Angst zu schüren sondern darum Krisensituationen einzuschätzen und handlungsfähig zu bleiben. In der Stadt sind wir extrem abhängig von Systemen der Bereitstellung von Lebensmitteln, Wasser, Wärme, Abwasser etc. In den letzten 2 Jahren haben viele von uns sich bereits damit auseinandersetzen müssen, was nötig ist, um bspw. aufgrund einer ansteckenden Virusinfektion das Haus für mehrere Tage nicht verlassen zu können. „Alles Prepper oder was?“ weiterlesen

Sie nennen es Fortschritt

Eigentlich wissen alle Bescheid, so wie bisher kann es nicht weiter gehen. Während die Superreichen schon fleißig in eine neue Existenz im All investieren, sind andere dabei sich mit hilflosen Appellen an die Verantwortlichen zu wenden oder halten unbeirrt an der Vorstellung fest, dass die Technologie es schon irgendwie richten wird. Allen ist gemeinsam, dass sie das Offenkundige nicht wahrhaben wollen. Die Ursachen aktueller Krisen liegen im Kapitalismus und im Narrativ des Fortschritts, auf welchem dieser aufbaut. Dies anzuerkennen würde aber bedeuten, so ziemlich alles, was einer*m lieb und heilig ist, in Frage zu stellen und eine komplett andere Perspektive einzunehmen. „Sie nennen es Fortschritt“ weiterlesen

You will find me if you want me in the garden

Vorschläge für gemeinsames Gärtnern

In dieser Stadt leben viele Menschen dicht gedrängt und doch vereinzelt nebeneinander. Trotzdem bleiben die Beziehungen zwischen uns, auch nach jahrelanger Nachbarschaft, oft oberflächlich. Außer, wenn es Konflikte gibt, da wird meist mehr investiert, um sie zu eskalieren und festzufahren. Gerade in diesen Zeiten, in denen sich abzeichnet, dass sich verschiedenste Krisen verschärfen und unsere Lebensbedingungen sich verschlechtern werden, ist es wichtig Wege zu finden aus der städtischen Vereinzelung auszubrechen und gemeinsame Handlungsfähigkeit zu entwickeln. die Unabhängig ist von staatlicher und technologischer Vermittlung. „You will find me if you want me in the garden“ weiterlesen

Gegen jeden Nationalismus

Militär und militärische Auseinandersetzungen sind das eskalativste Mittel zur Sicherung der herrschenden Verhältnisse. Militärische Waffen wie Maschinengewehre, Panzer, Drohnen und die an den Schalthebeln Sitzenden sind das endgültige Mittel um beherrschte Territorien, Ressourcen und Eigentum zu verteidigen – durch Zwang zur Unterwerfung, Ausbeutung und Unterdrückung. Überall da, wo sich die Militarisierung einer Gesellschaft zuspitzt, verstärken sich Angst, Brutalität und Herzlosigkeit. Freiheit, Würde und Individualität leiden unter jeder Herrschaft, im militärischen Krieg werden sie auf höchster Stufe geopfert. Dabei wird Krieg von Menschen, die sich hier weit weg vom Geschehen bequem im Bestehenden eingerichtet haben, schon immer mitgemacht und legitimiert. Es ist ein Teil der Normalität, dass unser Wohlstand hier, weltweit militärisch verteidigt werden muss. „Gegen jeden Nationalismus“ weiterlesen

Die Schildkröte im Netz aus gequirlter Scheiße und Ödnis

Ich hab Angst. Bis jetzt war doch alles so bequem und gut. Bisher konnten viele nach dem Motto leben: „nach uns die Sintflut“. Ich wollte das auch. Bedenkenlos in der Welt herum fliegen. Kaffee to go ohne Ende, Shampoo aus Plastikflaschen, Trinkwasser in der Toilettenschüssel, … Und jetzt? Jetzt hab ich bei allem ein schlechtes Gewissen. Und nicht nur das – ich habe Angst vor der Zukunft. Verdammt. Krieg und Leid. Gibt es noch Hoffnung? Ich will Hoffnung haben; feiernd durch die Nächte meiner Jugend, dann im Alter noch eine entspannte Ruhe genießen und meine noch ungeborenen Kinder, die im Frieden aufwachsen.

Ich bin es doch nicht gewesen, die das Salz in die Oder schüttete. Ich habe kein Sprengstofflager im Grunewald. Ich bin auch nicht Teil der Teslafabrik, die das Grundwasser in Grünheide abschöpft – warum soll ich Verzicht üben? Ich kleine Hanswurst*. Ich will mir diese Verantwortung gar nicht anziehen, aber das schlechte Gewissen ist längs schon gepflanzt. „Die Schildkröte im Netz aus gequirlter Scheiße und Ödnis“ weiterlesen

Inflation leicht erklärt. Die oder das Bö(r)se

Seit Monaten heißt es, dass die aktuell steigenden Preise und Unterhaltskosten das Resultat einer veränderten Situation von Angebot und Nachfrage als Folge des russischen Angriffskrieges in der Ukraine wären. Diese Erklärung ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Auch wenn Faktoren wie Lieferkettenstörungen als Folge von Krieg und Corona stellenweise ihren Anteil an Preisentwicklung haben, dient sie wohl eher dem Zweck Russland als Buhman für die Krise darzustellen um nicht über Zusammenhänge von spekulativen Finanzmärkten und der Embargopolitik europäischer Staaten gegenüber Russland reden zu müssen. „Inflation leicht erklärt. Die oder das Bö(r)se“ weiterlesen