Die Verschwörung der Allmächtigen?

Ein Beitrag für eine anti-autoritäre Diskussion in Zeiten der Covid-19 Pandemie

In letzter Zeit scheint es so, dass Verschwörungstheorien auf einen fruchtbaren Boden gestoßen sind. Ein schwammiger Boden in Folge der staatlichen Maßnahmen gegen die Eindämmung des Coronavirus. Dabei gibt es, historisch betrachtet, Verbindungen zwischen Pandemien und der Popularität von Verschwörungstheorien. Auch heute während der Corona-Pandemie hört man wieder verstärkt Verschwörungstheorien und sieht, wie diese von einer vielseitigen und breiten Masse aufgenommen werden. Die „Theorien“ über „Bill Gates und Co.“ dienen nun denjenigen Menschen als vereinfachte Lösungsansätze, welche das erste mal die Autorität des Staates zu spüren bekommen und merken, dass etwas falsch läuft. Dabei ist dies nicht nur bedrohlich, weil diese Menschen nun neben Faschist*innen und Rechtspopulist*innen auf die Straße gehen, sondern auch, weil sie eine anti-autoritäre Kritik an den herrschenden Verhältnissen negieren. Continue reading „Die Verschwörung der Allmächtigen?“

Das Virus der Herrschaft

Die Covid-19-Pandemie greift tiefgehend in unser Leben ein, nicht nur wegen des Virus selbst. Das Virus, die (geschürte) Angst und die moralische Totalität überall, sowie konkrete staatliche Maßnahmen, sind auch Vielen von Nutzen. Weil Kriege immer nur den Herrschenden nützen, haben viele Politiker*innen den Krieg gegen das Virus ausgerufen und ein neues Zeitalter heraufbeschworen. Warum und wie nützt es denjenigen, die Macht und Geld haben? Wie offenbart sich diese auf Ausbeutung beruhende Gesellschaft? Continue reading „Das Virus der Herrschaft“

Der soziale Krieg von oben … und die Kämpfe von Unten!

Die bestehende Gesellschaft beruht auf Ungleichheit, weil sich unterschiedliche Interessen in einem Machtverhältnis unversöhnlich gegenüberstehen. In einem kapitalistischen System haben diejenigen, die Kapital besitzen (Eigentum, Produktionsmittel, Immobilien, Konzerne,…) andere Interessen als diejenigen, welche ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, Sozialhilfen empfangen, zur Miete wohnen. Vermieter*innen haben ein Interesse, dass die Miete für Wohnungen steigt. Mieter*innen haben ein Interesse, dass die Miete gleich bleibt oder sinkt. Genauso bei der Arbeit. Die Führung eines Unternehmens möchte, dass der Lohn für die Arbeitnehmer*innen so gering wie möglich bleibt. Menschen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, möchten mehr Lohn haben (oder zumindest das, was angemessen zum Profit des Unternehmens steht). Diese unversöhnliche Gegenüberstellung wurde Klassenkampf genannt und beschrieb vordergründig diesen ökonomischen Konflikt. Heute, hier in Deutschland, sind die Klassen weniger sichtbar, da sich die Arbeitsverhältnisse verändert haben. Continue reading „Der soziale Krieg von oben … und die Kämpfe von Unten!“

Uncle Sam’s Nightmare

Wie eine feurige Revolte gegen Rassismus und Polizeigewalt die Legende vom amerikanischen Traum herausfordert

Vor ein paar Monaten, als der Lockdown im vollen Gange und Corona das bestimmende Thema war, erreichten uns erschütternde Zahlen über die Todesraten in amerikanischen Krankenhäusern und der „mächtigste“ Präsident der Welt riet dazu, sich Desinfektionsmittel zu spritzen. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich wohl die Wenigsten vorstellen können, dass ein rassistischer Mord durch einen weißen Bullen schon bald eine lebhafte Revolte, die in der jüngeren Geschichte der USA seinesgleichen sucht, auslösen wird. So tragisch der Ausgangspunkt dieser Ereignisse auch ist, umso erfreulicher die Bilder und Berichte gelebter Solidarität, wütenden Protesten, abgebrannten Streifenwagen, umgestürzter Skulpturen und zerstörten Glasfassaden, die daraufhin folgten. Continue reading „Uncle Sam’s Nightmare“

Eine weltweite Revolte

Im Herbst 2019 fegte ein rebellischer Wind über die Erde. Verstreut über den Globus lehnten sich Menschen gegen Korruption, Armut, Kapitalismus und Autorität auf. Jedoch vertrieben die Covid-19 Pandemie und die Maßnahmen der Herrschenden zu ihrer Eindämmung die Proteste erst einmal von der Straße.

Die staatlich verordnete und erwünschte Paralyse der Bevölkerung konnte jedoch nur kurz greifen, denn schon bald erkannten die Ausgebeuteten, dass die Ursachen ihrer Unterdrückung und Not nicht bei einem Virus zu finden sind, sondern im kapitalistischem System. Umso heftiger entzündeten sich weltweit Streiks, Krawalle oder massive Aufstände. Sei es aufgrund der Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, die sich bis zum Zugriff der staatlichen Kontrolle auf den eigenen Körper ausweiteten, der Brutalität, mit der die Sicherheitskräfte überall die Ausgangssperren versuchten durchzusetzen oder aus purer Notwendigkeit, nicht am Hunger zu sterben.

Diese Karte versucht den Blick darauf zu lenken, dass es an vielen Orten den Menschen ein für alle mal reicht, die Zustände als gegeben zu betrachten. Continue reading „Eine weltweite Revolte“

Die Pandemie der Angst

Ein Gespenst geht um in der Welt. Wir können es über unsere Bildschirme live mitverfolgen. Eine Nachricht jagt die andere. Anweisung hier, Verbot da, Empfehlung dort. Gesundheitsnotstand, Katastrophenfall, Ausnahmezustand. Bunte Grafiken veranschaulichen die Ausbreitung und zählen die Infizierten und Toten. Bilder von leer gefegten Straßen, von Peking bis Mailand, flimmern in unsere Wohnzimmer und leer gefegte Regale in den Supermärkten lassen erahnen, dass auch hier etwas Ungewöhnliches im Gange ist. Es zeichnet sich ein Bild, dass wir bisher nur aus apokalyptischen Hollywood-Streifen kennen. Virolog*innen füllen die Sondersendungen in Funk und Fernsehen und manchmal kommen auch Menschen zu Wort, die behaupten, das Virolog*innen gar keine Ahnung von Medizin hätten. Die Politik hat es auch nicht. Continue reading „Die Pandemie der Angst“

Schüsse in Hanau

Wieder schießt jemand aus rassistischen Beweggründen auf Menschen. Diesmal am 19. Februar in Hanau. Anders als bei ähnlichen Taten davor ist, dass die Regierenden nicht mehr verleugnen können, dass Deutschland ein Problem mit Rechtsradikalismus und seinen tödlichen Folgen hat. Lange genug wurden Taten, die einem rassistischen oder faschistischen Diskurs entsprangen, als Taten von einem „psychisch-kranken“ Einzeltäter abgetan. Das Fingerzeigen auf Andere hält Eine*n selber fern von jeglicher Kritik. Continue reading „Schüsse in Hanau“

Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten!

Das parlamentarisch-demokratische Theater bekam im Februar die Gelegenheit, ein neues Glanzstück auf zu führen. Die seit ihrer Gründung im Jahr 2013 ins Spiel aufgenommene AfD beteiligte sich mit der CDU an der Wahl des FDP-Kandidaten Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten, um die Wiederwahl des Kandidaten der LINKE, Ramelow, zu verhindern. Ein landesweiter Sturm bürgerlicher Empörung brach aus. Alles wird rückgängig gemacht. Einige Wochen später wird doch Ramelow gewählt. Dieser wiederum gibt dann dem AfD-Kandidaten für das Landtagsvizepräsidentenamt seine Stimme. Absurd, oder? Parlamentarismus eben. Continue reading „Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten!“

Der Stein des Anstoßes – gegen jede Räumung

Die kapitalistische Stadt hat in den letzten Jahrzehnten eine beeindruckend erfolgreiche Transformation durchgemacht. Orte, die einst vorwiegend dem Zweck des Wohnens dienten, von denen ein Heer von Arbeiter*innen tagtäglich in die Werkstätten und Fabriken ausströmten, um Waren und Güter zu produzieren, entwickelten sich zum eigentlichen Produkt, welches den Wert erschafft. Die moderne Metropole ist mit knackigen Slogans versehen, um auf dem globalen Markt gegen andere Städte zu konkurrieren. Namen wie Kreuzberg sind dabei Aushängeschild und Label zugleich, um aus dem Eigentum an Grund und Boden oder Wohn- und Geschäftsräumen Profit zu pressen. Continue reading „Der Stein des Anstoßes – gegen jede Räumung“

Berührungspunkte

…über Städte als Modellprojekte

Welche Gemeinsamkeiten haben die Entwicklungen in Berlin am Moritzplatz, an der Warschauer Brücke und in Adlershof? Und welche Gemeinsamkeiten haben diese Beispiele mit vielen anderen Vierteln in anderen Metropolen? Diese Kieze sind Modellprojekte für eine vernetzte Stadt, die durch die aus der Sicht der Herrschenden versprochenen Vorteile die logische und notwendige Weiterentwicklung von urbanen Zentren sind. Continue reading „Berührungspunkte“

Fuck Off Amazon

Der neueste Traum des Tech- Giganten Amazon ist es, in den geplanten Edge- Tower einzuziehen. Das bald höchste Gebäude Berlins, das die Firma Edge Technologies bis 2024 in Friedrichshain, zwischen East- Side- Mall und Warschauer Brücke, in die Landschaft klotzen will. Hatte sich bereits Google vor zwei Jahren in Kreuzberg die Finger verbrannt, als sie nach Widerstand ihren Plan eines Start-Up- Campus erstmal auf Eis legen mussten, scheint Amazon es jetzt zu versuchen. Continue reading „Fuck Off Amazon“

Das Geld liegt auf der Straße?

Die Heinzelmännchen hatten in Wirklichkeit prekäre Arbeitsbedingungen

Die Arbeit, oder viel eher die Arbeitskraft, wurde im Kapitalismus zur Ware. Lohn bekommt man nicht, wenn die Tätigkeit für einen selbst ist, sondern wenn man seine Leistung auf dem Markt anbietet und die gleiche Tätigkeit, wie z.B. Kochen, Einkaufen, Reparationen für jemand Anderen erledigt. Leider müssen die Meisten von uns ihre Arbeitskraft auf dem Markt verkaufen, um sich mal mehr, mal weniger lebensnotwendige Sachen zu kaufen. Eine Wahl auf dem Arbeitsmarkt haben jedoch die Wenigsten. Es sind eher diejenigen, die das Kapital besitzen, die Bosse und Arbeitgeber*innen, welche die Wahl an Arbeitskräften haben. Sie wählen die Menschen aus, die für sie die Arbeit erledigen und entlohnt werden. Eine neuere Entwicklung des Marktes sind die sogenannten Micro-Jobs, andere Namen dafür sind paid crowdsourcing, Plattformarbeiten, Gig-Economy. Continue reading „Das Geld liegt auf der Straße?“

No Leader, Be Water

Wie die Rebellierenden HongKongs ein Bild aus der Zukunft zeichnen

Es gibt immer wieder diese Momente, in denen irgendwo auf der Welt ein Konflikt eskaliert, der uns dann fast täglich in der Presse oder im Netz begegnet. Manchmal können wir auf Anhieb was damit anfangen, uns mit den Protagonist*innen identifizieren oder in ihren Taten Absichten erkennen, die uns vertraut sind und so eine Verbundenheit entsteht. Manchmal aber, verlieren sich diese Nachrichten im Informations-Wirrwarr des Internets. Haben wir keinen direkten Bezug dazu, schenken wir ihnen wenig Beachtung, obwohl sie eigentlich eine Menge Interessantes in sich tragen. Ein Grund dafür könnte sein, dass viele Momente von Revolten und Aufständen im letzten Jahrzehnt außerhalb der herkömmlichen Parameter einer traditionellen Linken stattfanden. Und das ist auch gut so. Doch bedeutet dies auch, das wir soziale Konflikte, die Zusammensetzung ihrer Akteur*innen oder ihre Beweggründe, zu kämpfen, oft nicht verstehen. Nun, es liegt an uns, die Offenheit und Neugier zu besitzen, sich trotzdem auf die Suche zu machen, um Gemeinsamkeiten und Affinitäten erkennen zu können. Continue reading „No Leader, Be Water“

Eigentum besitzen, Eigentum besetzen, Eigentum beisetzen

Vom Recht auf Wohnen, losen Versprechen und anderen Fata Morganas

Es gibt viele Wege und Werkzeuge, um gegen die geregelte Ordnung dieser Welt zu komplottieren. Die soziale Ordnung birgt Unterwerfung und Disziplin in sich. Die ordentlichen Verteidiger*innen dieser Realität sind diejenigen, die Ausbeutung und Unterdrückung durch ihren unermesslichen Wunsch nach Recht und Ordnung vorantreiben. So gibt es Menschen, die die Macht haben über anderer Leben zu entscheiden, durch ihre politische und wirtschaftliche Position. Diese politische Oberschicht, oder wie sie so charmant genannt werden „Meinungsvertreter*innen“, sind ein entscheidender Teil des kapitalistischen und demokratischen Fortbestehens, dessen Ordnung gewisse Menschen an der Macht sieht und andere ganz weit unten in der sozialen Hierarchie.

Es geht hier nicht um die unwahrscheinliche Antwort auf die Klassenfrage. Wo ist die Klasse, wer ist sie, gibt es sie überhaupt noch? Continue reading „Eigentum besitzen, Eigentum besetzen, Eigentum beisetzen“

Dieser soziale Konflikt lässt sich nicht befrieden: Gegen den Deckel auf dem Topf

Dass es jene gibt, die von einem grundlegenden Bedürfnis profitieren und damit spekulieren und andere, die ihren letzten Cent zusammen kramen müssen, um überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben, liest sich ganz weltfremd betrachtet unglaublich absurd. Das Eigentum an Wohnraum, die kapitalistische Logik der Erwirtschaftung von Profit, der demokratische Staat als Garant dieser Ordnung, als Erfüllungsgehilfe von Zwangsräumungen, verantwortlich für die Verödung des Stadtbildes zu einer kameraüberwachten Betonwüste. Die Verdrängung armer Menschen aus der Innenstadt, die Tatsache, dass ein stets größer werdender Anteil der Lohnarbeit für die Miete aufgewendet werden muss oder viele erst gar keine Wohnung finden – dies sind die Bedingungen, in denen wir leben, und sie sind nicht absurd sondern harte Realität. Continue reading „Dieser soziale Konflikt lässt sich nicht befrieden: Gegen den Deckel auf dem Topf“

Eine gelbe Weste gegen die Tristesse der sozialen Bewegungen

Einige Gedanken zu einer Revolte, die mit dem Herkömmlichen bricht. Geschrieben zu einem Zeitpunkt, als die Mobilisierungen landesweit noch großes Potential hatten.

Die gelbe Weste. Ein Kleidungsstück in greller Farbe, das einst mit der öden Warterei am Straßenrand auf den Pannendienst assoziiert wurde, erfreut sich in Frankreich seit mittlerweile über sechs Monaten großer Beliebtheit. Nicht weil die Menschen plötzlich mehr Bewusstsein für die Verkehrssicherheit erlangt hätten, sondern weil die soziale Sicherheit schon lange am bröckeln ist und für viele noch nie existiert hat.

Wie aus dem nichts ist nach der Ankündigung Macrons im November letzten Jahres, eine Ökosteuer auf den Spritpreis zu erheben, die Wut sichtbar geworden. Eine Wut, ganz allgemein auf die herrschenden Verhältnisse in denen der ökonomische Druck immer größer wird, aber auch auf die Regierung Macrons im speziellen, welche ohne Rücksicht auf Verluste ihr neoliberales Projekt zu Ende bringen will. Es war der berühmte Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte. Continue reading „Eine gelbe Weste gegen die Tristesse der sozialen Bewegungen“

Katerstimmung

Eine weiterführende Einschätzung zu den Entwicklungen in Frankreich diesen Sommer.

Leugnen, dass sich eine Katerstimmung breit gemacht hat, würde an dieser Stelle natürlich nur von einer augenfälligen Unaufrichtigkeit zeugen. Somit wollen wir das lieber unterlassen und uns stattdessen darum bemühen, diesen Kater aus zu kurieren.
Die Gelbwesten haben sich aus den Straßen Frankreichs weitestgehend zurückgezogen. Auch wenn hin und da immer wieder kleine Erscheinungen an den Tag treten, hat das offensichtlich nichts mehr mit der Kraft und der Intensität wie vor sieben/acht Monaten zu tun. Die Regierung und mit ihr die Politik, die diese nun seit zwei Jahren vorantreibt, stehen noch. In diesem Sinne kann man ohne wenn und aber, offen und ehrlich von einer Niederlage sprechen. Natürlich bringt erlebter Widerstand immer auch Veränderung mit sich, im intimen und im kollektiven Bewusstsein derer, die diesen Widerstand getragen haben. Continue reading „Katerstimmung“

Terror incognita

Für die Befreiung  von staatlicher und  kolonialer Herrschaft  in Kamerun und überall

In Kamerun spitzen sich seit geraumer Zeit soziale und politische Konflikte zu. Da ist u.a. die Unterdrückung der englischsprachigen Minderheit durch die frankophone Führung. Die Kritik an der Regierung und dem Präsidenten Paul Biya, der sich seit 37 Jahren an der Macht festhält. Und im allgemeinen unterschiedliche Ausdrücke gegen die Armut im Land. Der Staat reagiert auf Proteste mit Gewalt und Soldaten schießen auf Menschen, wie bei einer Demonstration von Lehrer*Innen und Rechtsanwält*Innen gegen den Zwang und Privilegierung der französischen Sprache im November 2016 in den englischsprachigen Provinzen. Seit 2016 kommt es vor allem dort im Süd- und Nordwesten des Landes, immer wieder zu Toten und Verletzten durch das Militär und Terror durch den Staat. Die Reaktion auf die staatliche Gewalt, war die Selbst-Bewaffnung der Bevölkerung, und die offene Konfrontation mit dem Staat. Continue reading „Terror incognita“